Foto-Urlaub Sardinien 2018

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Pünktlich zum Ende der Sommerferien 2018 haben wir beschlossen, 10 Tage in Sardinien Urlaub zu machen. Schwerpunkt des Urlaubs sollten Tier- und Landschafts-Fotografie werden. Als Perspektiv-Wechsel hatten wir neben unserer normalen Kamera-Ausrüstung auch die DJI Mavic Pro mit dabei.
Unser erstes Problem bei der Planung der Fotoziele waren zu viele Marker für Wunschziele auf Google Maps nach Studium diverser Blogs und Birdwatching-Sites. Daher beschlossen wir, unsere 10 Tage in zwei Blöcke zu teilen. Block 1 sollte sich auf der kleinen Insel San Pietro abspielen, da wir hier Mitte September gute Chancen sahen, mehrere Brutpaare von Eleonorenfalken ausführlich zu fotografieren. Block 2 war im Nord-Westen von Sardinien, spezifisch in Alghero.

Anreise

Die Anreise von München war für uns nicht ganz trivial, da wir unbedingt einen Direktflug haben wollten. Bei freier Wahl hätten wir auch gerne auf einen Touristenflieger verzichtet und wären Linie mit Lufthansa o.Ä. geflogen. Zu den für uns möglichen Terminen wurde es dann natürlich ein Eurowings-Flug nach Olbia. Da wir in San Pietro unseren Urlaub beginnen wollten, bedeutet dies, unmittelbar nach dem Flug ca. 3,5h mit dem Mietwagen quer über die Insel zu fahren, gefolgt von 40 Minuten Fähre nach San Pietro. Das machte den ersten Tag zwar anstrengend, lies sich dank erträglichem Flug, guten Flugtermin (11:00 Uhr Abflug) und einem empfehlenswerten lokalen Mietwagenverleih (Only Sardinia) aber verkraften.

Ausrüstung

Für diese Reise hatten wir beschlossen, auf das "große Besteck" zu verzichten, so dass die dicken Festbrennweiten zuhause blieben. Mit dabei waren die Nikon D500 mit 150-600mm, die D300S als Ersatzbody, die Fuji X-T2 mit 56mm/80mm und 10-24mm sowie die Fuji X100F. Und natürlich nicht zu vergessen die oben genannte Mavic Pro. Auf schwere Stative konnten wir aufgrund des relativ leichten 150-600mm verzichten, so dass nur das ultraleichte Gitzo Traveler Serie 0 mitkam.
Als Fazit ist zu sagen, dass 90% aller Fotos mit der D500 + 150-600mm und der X100F aufgenommen wurden. Das Stativ kam garnicht zum Einsatz, die Mavic Pro kaum. Das 150-600mm hat uns gut ausgereicht, allerdings nur, weil wir viel vom Auto aus fotografiert haben. Die Fluchtdistanz der Vögel auf Sardinien ist mindestens so hoch wie in Deutschland, und damit ohne Auto problematisch.

Teil 1 - San Pietro

San Pietro lässt sich nur per Fähre erreichen, die in unserem Fall von Porto Vesme ausging. Auf der Insel braucht man unbedingt ein Auto, wenn man nicht nur in der (einzigen) Stadt Carloforte unterwegs sein möchte. Daher hatten wir auch direkt am Flughafen Olbia einen Mietwagen übernommen.
Auf San Pietro hatten wir uns im Hotel Riviera direkt am Hafen von Carloforte einquartiert. Das Hotel können wir nur absolut empfehlen: schön große Zimmer mit Blick auf den Hafen (zumindest bei der Variante "Deluxe mit Meerblick"), absolut sauber, freundliche Hotelangestellte und ein sehr gutes Frühstück.
Auf San Pietro ist zu beachten, dass die Insel anscheinend Primär-Brutgebiet für 90% aller sardischer Moskitos ist. In keinem tropischen Land dieser Erde (Dschungelregionen eingeschlossen) hatten wir derart mit Moskitos zu kämpfen wie auf San Pietro. Ich empfehle normalerweise nur ungern den Einsatz des doch ziemlich giftigen No-Bites/Deed, würde für San Pietro aber eine Ausnahme machen. Moskito-Schutz sollte in ausreichender Menge mitgebracht werden (bei uns war es in allen Geschäften der Inseln ausverkauft).
San Pietro bietet für Tierfotografen einige spannende Foto-Locations:

Salzlagunen

Südlich von Carloforte beginnen direkt die Salzlagunen ("Saline di Carloforte"). Hier fanden wir neben Flamingos auch diverse andere Vögel wie Graureiher, Silberreiher, Kuhreiher, Stelzenläufer und verschiedene Watt-Vögel mehr. Wie üblich sind die Tiere sehr entspannt vom Auto aus zu fotografieren und gehen bei Fussgängern direkt auf Distanz. Besonders interessant war für uns die kleine Straße, die südlich von Carloforte nach dem Friedhof in die Lagunen abbiegt. Am Vormittag hat man hier gutes Licht für die nördliche Lagune und am Nachmittag für die südliche.

Capo Sandalo

Im Westen der Insel liegt Capo Sandalo, wo man sehr gute Chancen hat, Eleonorenfalken zu beobachten. Am ersten Tag hatten wir direkt nach Ankunft Kontakt mit 3 Falken-Pärchen, die sich uns gegenüber sehr interessiert zeigten. Auch an den Folge-Tagen sahen wir jeden Tag mehrere Falken-Paare. Letztendlich ist es eine Frage der Beharrlichkeit zu warten, bis ein passender Falke vorbeikommt. Die besten Chancen hat man direkt am Rand der Steilklippen, da die Eleonorenfalken hier im Wind stehen.
Für Explorer ist der Weg in die Tiefe auf Meereshöhe anzuraten. Hier ist allerdings festes Schuhwerk, keine Höhenangst und etwas Gleichgewichts-Sinn gefragt. Allerdings ist der untere Teil des Weges die absolute Moskito-Hölle (und das heisst etwas auf einer Insel, die schon grundsätzlich damit ein problem hat).

La Conca

Eigentlich wollten wir nach La Conca im Süden von San Pietro, um die Klippen und den Blick auf das Meer zu fotografieren. Aufgrund der Unzahl von Libellen wurde dann allerdings eher ein Makro-Shooting daraus. Unabhängig davon bietet sich aber ein atemberaubender Blick auf das Meer von La Concha aus.

Carloforte

Carloforte selbst ist zwar weniger für den Tierfotografen geeignet (eigentlich eher gar nicht, wenn man von den Touristen-Hunden im Tinkerbell-Stil absieht), bietet aber Nachts in der Altstadt unendliche Motive. Interessanterweise haben wir uns selbst in den dunkelsten Gassen mitten in der Nacht nie unsicher in Carloforte gefühlt.

Teil 2 Alghero

Unsere Unterkunft bei Alghero war das Hotel Dei Pini. Kriterien für unsere Hotelsuche bei Alghero waren:

  • Eigener, schöner Sandstrand
  • Ausserhalb von Alghero gelegen
  • Klein aber fein (kein Massen-Komplex)
  • Legere Kleidung (kein Anzugzwang beim Abendessen)

Das Dei Pini hat unsere Erwartungen voll erfüllt und mit den sehr freundlichen Angestellten sogar übertroffen. Wir können das Hotel bedinungslos weiterempfehlen.

In der Gegend um Alghero haben wir die folgenden Foto-Locations besucht:

Geier-Kolonien

An der Westküste von Sardinien gibt es zwei Geier-Kolonien . Die Küstenstrasse zwischen Bosa und Alghero ist auch unabhängig von den Geier-Kolonien einen Besuch wert. Es kostet zwar etwas mehr Zeit als die Inlands-Strasse, diese zu befahren, allerdings sind es die spektakulären Ausblicke auf das Meer allemal wert. Auf der Strecke befinden sich zwei Geier-Kolonien. Bei der südlichen Kolonie kann man gut am Seitenstreifen neben dem Restaurant "Il Griffone" anhalten. Man sieht hier zwar viel Geier im Flug, allerdings (bei uns) nur in sehr großer Höhe oben in den Steilhängen. Gut für die Vogelbeobachtung, schlecht für's Fotografieren. Die zweite Kolonie ist zwar besser (näher) gelegen, allerdings kann man direkt auf deren Höhe fast nur mitten auf der Strasse anhalten. Der Autor des oben verlinkten Vogelbeobachtungs-Blogs meint zwar, die Strasse sei kaum befahren, allerdings können wir das nicht bestätigen. Unmotiviert mitten auf der Strasse zum fotografieren anhalten ist hier absolut keine gute Idee. Wir sind daher um die nächste Kehre Richtung Meer gefahren, wo man vernünftig halten kann, und hatten trotzdem zwei Geier-Überflüge.

Capo Caccia

Der Leuchtturm an der südlichsten (?) Spitze von Sardinien bietet einen spektakulären Blick über die Bucht und die Küste und ist definitiv einen Ausflug wert. Allerdings sollte man hier relativ früh herkommen, da ab spätestens 09:30 Uhr die Touristen-Hölle losbricht. Einerseits wohl wegen der spektakulären Aussicht, andererseits wegen der "Grotta di Nettuno", die sich hier befindet.
Für Tierfotografen finden sich am Capo Caccia eher wenige Motive. Es gibt zwar riesige Schwalben-Schwärme, die sehr schön anzusehen sind, allerdings kaum zu fotografieren (bestenfalls als Gesamt-Impression).

Parco Naturale Regionale di Porto Conte

Der Naturpark darf (nach namentlicher Registrierung und Bezahlung) mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß betreten werden. Wir hatten uns für die Kombination aus Auto und Fußweg entschieden. Der Park ist vergleichsweise groß (1200 Hektar), so dass Tierbegegnungen ein Stück weit Glückssache sind, da es keine zentralen Futter- und Trinkplätze gibt, die für Besucher zugänglich sind. Aus Tierschutz-Sicht macht das sicherlich sind, da so die Tiere ausreichend Rückzugsräume haben. Das mag allerdings auch erklären, weshalb wir praktisch alleine mit 3 Rangern im Park waren.
Neben dem spektakulären Ausblick auf der Meerseite sind uns im Park Wildesel, eine Schildkröte, Felsenhühner, Nebelkrähen, Eichelhäher und diverse Makro-Motive begegnet. Die Fluchtdistanz der Vögel bei Fußgängern ist allerdings gewohnt hoch.

Lago di Baratz

Unsere Erwartungen an den einzigen Süßwasser-See der Insel waren sehr hoch. Dieser ist auch relativ groß und gut gepflegt, allerdings konnten wir bei unserem Besuch "nur" Blesshühner und Möwen in der Mitte des Sees sehen. Der Nutzen des Beobachtungsturms mitten im Wald ohne vernünftige Fenster hat sich uns nicht erschloßen. Die Möglichkeiten zur Fotografie sind relativ eingeschränkt aufgrund der großen Entfernungen und der fehlenden Deckung.

Sonstige Locations

Auf diversen Bird Watching-Seiten findet man noch Empfehlungen der folgenden Locations:

  • Stintino
  • Stagno di Pilo
  • Stagno di Platamona

An keiner der drei genannten Locations konnten wir ein sinnvolles Foto von Wasservögeln machen. Die ersten zwei Orte bieten zwar theoretisch eine sehr spannende Landschaft, sind aber für Fotografen aufgrund der weiten Entfernungen nahezu ungeeignet. Bei unserem Besuch gab es dort auch extrem wenige Wasservögel.
Stagno di Platamona bietet hier deutlich mehr Potential. Direkt beim Anmarsch trafen wir auf einen Eisvogel. Aufgrund der Schilfgürtel gibt es hier relativ viele Vögel (und Libellen), so dass mit etwas Geduld die Chancen für gute Fotos hoch sein sollten.

Eine interessante Tour, sowohl für Landschaftsfotografie als auch für Bilder von Raubvögeln ist:
Alghero => Lago del Cuga => Ittiri => Monteleone Rocca Doria => Villanova Monteleone => Alghero
Gerade zwischen Ittiri und Monteleone Rocca Doria bieten sich spektakuläre Landschaften.

Fazit

Unser Start auf San Pietro war absolut spektakulär. Nichts entschleunigt besser im Urlaub als ein paar Tage auf der ruhigen Insel mit den sympathischen Einwohnern. Für mich persönlich war San Pietro das abolute Highlight dieses Urlaubs. Als bekennender "Hasser" von Touristenorten bin ich mit Alghero selbst nicht richtig warm geworden. Das ruhige Umland können wir aber absolut empfehlen.

Als Tierfotograf komme ich mit gemischten Gefühlen aus Sardinien zurück. Der Ruf der Insel als "Paradies für Vogelbeobachter" ist für mich nicht eindeutig nachvollziehbar. Wir haben sehr viele und schöne Vogel-Bilder auf Sardinien gemacht, jedoch Großteils auf San Pietro. Selbst an optimalen Locations haben wir aber vergleichsweise wenige Wasser- und Singvögel beobachten können. Ein gesundes "Erwartungs-Management" scheint daher für Sardinien bzgl. Vogel-Fotografie angebracht.

Links

Die folgenden Ressourcen haben uns (neben Google Maps, Google Earth, Flickr und Konsorten) bei der Planung unserer Reise geholfen: